Pen&Paper – Die Anfänge

Die Anfänge

Gesucht und gefunden

Mittlerweile ist es über 10 Jahre her, dass ich mit dem Rollenspiel angefangen habe. In meinem Kopf geisterten damals nur grobe Vorstellungen von einem Haufen Nerds herum, die mit angeklebten Elfenohren durch den Wald hüpften, Eier in der Hand zerdrückten und dabei „Wort der Macht: Tod!“ murmelten.

Erfreulicherweise fand ich eine Gruppe, die weder durch die heimischen Wälder schlich noch dumme Sachen mit rohen Eiern praktizierte. Und von Elfen hielten sie genausowenig wie von Gnomen (wobei sich das eingefleischte Misstrauen gegen Gnome noch sehr vertiefen sollte).

Skelettkrieger

Auf der Seite mit dem bezeichnenden Namen www.chaotisch-neutral.de finden sich weitere Infos zum Rollenspiel und zu unserer Gruppe (ich empfehle besonders die Zitate).

Mit schwerem Gerät

Oder: „Meine RPG-Gruppe vermittelt mir unrealistische Vorstellungen vom Gebrauch schwerer Waffen!“

Mein erster Char wird vermutlich immer etwas Besonderes für mich sein, denn sowohl die Zusammensetzung der Fähigkeiten als auch die ersten Abenteuer boten einige Kuriositäten.

Meine Glücksritterin Mataswintha war ein Paradebeispiel dafür, was passiert, wenn man einem kompletten Anfänger einen Bausatz mit Fertigkeiten und Punkten vor die Füße wirft und dann einfach mal abwartet.
Da ich bisher nur am Rechner gespielt hatte, wurde auch dieser Char nach Gesichtspunkten kreiert, die zwar sehr erfolgversprechend erschienen, leider aber jeglichen gesunden Menschenverstandes entbehrten.
Da ich ja „Ritter“ war, verpasste ich meiner 1,65m großen Mataswintha zunächst einmal ein paar Waffen, die mir selbstverständlich erschienen: einen Bihänder (ca. 1,20m), eine Hellebarde (ca. 2,20m) und für den Fernkampf natürlich noch eine schwere Armbrust.
Derart gewappnet schickte ich sie dann zur Erkundung durch ein enges Höhlensystem, ließ sie diverse Male ein paar Wände hochklettern und schließlich noch über unseren Magiergnom hinweg einige Orks hellebardieren, bis unserem Spielleiter die Absurdität des Ganzen bewusst wurde.
Er beschränkte sich dann dankenswerterweise darauf, ihr nur die Hellebarde wegzunehmen.

Dass diese Gruppe ordentliches RPG betrieb und gesteigerten Wert auf Realismus legte, lernte ich auf die harte Tour. Neben diversen mehr oder weniger glimpflich ausgehenden Unfällen bedingt durch Anfängerfehler („Ich will aus dem Fenster springen, mit meinem Akrobatik-Skill ist das kein Problem!“ – „Du springst in voller Rüstung aus dem 1. Stock. Ich ermittele mal eben den Fallschaden, Sekunde…“) ist mir besonders das Vorhangmanöver mit Hellebarde (da hatte ich sie noch) im Gedächtnis geblieben, bei dem ich vergaß, explizit zu erwähnen, dass ich vor dem Betreten des Raumes den schweren Vorhang zur Seite ziehen wollte und prompt hängenblieb. Der daraus resultierende Ball aus Vorhang, Hellebarde und fluchender Mataswintha entpuppte sich als perfektes Ablenkungsmanöver für die im Raum hockenden Orks.

Speziesismus

Wir haben nichts gegen Gnome – aber diese Gnome sind nicht von hier!

Am Anfang waren wir sogar recht multi-kulti unterwegs. Es gab einen Zwerg namens Gruknir in der Gruppe, der sich durch besondere Geschäftstüchtigkeit auszeichnete, parallel zu unseren Abenteuern einen florierenden Honigimport betrieb und erstaunlich gut mit Kindern umgehen konnte.

Während eines Abenteuers hat er mal die Belagerung einer Burg im Alleingang geplant, allerdings kam er nie über die Beauftragung einer Leiter beim örtlichen Tischler hinaus.

Neben einem erstaunlichen Einfallsreichtum verfügte dieser Zwerg auch über eine exorbitante Zähigkeit. Ich weiß noch, dass wir mal einen Luftkampf hatten und Gruknir sich todesmutig auf einen Greifen schwang. Wir übrigen hatten unterdessen die Ballisten entdeckt und feuerten auf alles, was sich bewegte – und das war in erster Linie der Zwerg auf dem Greifen. Er überstand zwei Volltreffer, ganz schön hart im Nehmen, diese kleinen Kerle.

Der bereits erwähnte Gnom Gibi hingegen hatte ein nur recht kurzes Gastspiel. Meine Glücksritterin hat sich ganz gut mit ihm verstanden, weil man mit ihm Pferde stehlen konnte*. Aber der Rest war nicht so angetan von dem kleinen Chaoten. Seine letzte Meisterleistung war der Diebstahl eines Buches, mit dessen Hilfe sich Dämonen beschwören ließen. Wir hatten vermutlich ziemliches Glück, dass der Gnom mit dem Buch verschwunden ist.

* Das bedeutet in diesem Fall: „des Nachts Leichen ausbuddeln, um düstere Rituale zu vollziehen“. Die moralische Flexibilität unserer damaligen Gruppe ist bis heute legendär.

Gewichtsprobleme und Klischees

Allzuviel Realismus tut auch nicht gut

Na gut, ich gebe zu, ich HABE tatsächlich mal eine Elfe gespielt, eigentlich sogar zwei, wenn die eine auch nur Halbelfin war.
Und um das Klischee voll zu erfüllen, war Amala natürlich auch Fernkämpferin.

Da wir damals die Optik auswürfelten, bei der Auslegung ziemlich genau waren und ich etwas nappelig gewürfelt habe, war meine Bogenschützin dann zwar auch durchaus ansehnlich, wie es sich für eine richtige Elfin gehört, hatte aber leichtes Übergewicht, weshalb sie bis heute von einigen Mitspielern liebevoll „Pummelelfe“ genannt wird. Nunja…

Gelegentlich kam es auch vor, dass wir mit unseren Chars Startschwierigkeiten hatten oder sogar voll daneben lagen.
So brauchte es einige Zeit, bis ich mit meinem katholischen Priester warm wurde (höhö). Dann allerdings wurde ich für den Rest der Truppe zu einem wahren pain in the ass, weil ich extrem rechtschaffen war und bei jeder Gelegenheit die Polizei rufen wollte, um den armen Menschen zu helfen. Ja ich weiß, eine recht idealisierte Vorstellung eines Pfaffen, aber wenn schon, dann auch ordentlich.

Den letzten beißen die Hunde

Pro-Tipps für echte Rollenspieler

Erstaunlicherweise haben sich die Verluste in all den Jahren relativ in Grenzen gehalten. Meist klappte in letzter Minute doch noch der entscheidende Wurf. Und obwohl wir seit einiger Zeit Cthulhu spielen, gab es dort bisher keine Todesfälle, sieht man mal von einem beliebten NPC ab. Nicht mal ein kleines bisschen wahnsinnig ist jemand geworden, eigentlich enttäuschend.

Wie wenigen Toten ließen alle ihr Leben zu Midgard-Zeiten.

Eine Kameradin, die wir betrauern mussten, war Pea: eine Piratin, der ihr innerer Bildungsauftrag zum Verhängnis wurde. In einem mittelalterlichen Dorf, das seit geraumer Zeit von Geistern und Dämonen heimgesucht wurde, startete sie tapfer einen Exkurs zur Astronomie, um die Phänomene zu erklären. Wir anderen hatten da schon die Mistgabeln und Fackeln gesehen und uns für einen geordneten Rückzug entschieden. Pea bekam leider keine Gelegenheit mehr zur Aufklärung des abergläubischen Landvolks.

Ein anderer Mitstreiter, seines Zeichens Meuchelmörder/Dieb mit einem Hang zum dramatischen Auftritt*, erteilte uns eine wichtige Lektion bezüglich dieser alten Rollenspielweisheit:
„Du musst nur schneller laufen als der Zwerg!“ gilt nicht, wenn Hunde hinter dir her sind und der verdammte Zwerg eine magisch gepanzerte Vollrüstung trägt.

* Der vermutlich auffälligste Dieb aller Zeiten. Von seinem ersten Geld shoppte er ein gigantisches Schlachtross, auf dem er dann durch die Lande ritt. Er versuchte nur ein einziges Mal, sich zu tarnen: indem er auf einer völligen kahlen Ebene ein paar Flechten sammelte und sie sich vor das Gesicht hielt.