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Rotting Christ

Non Serviam

Diese Band zu finden war ein absoluter Glücksfall. 2017 habe ich Satyricon im Grünspan gesehen und mir bei YouTube das geniale „Live at the Opera“ angeschaut. Mittlerweile besitze ich davon selbstverständlich die DVD, ganz großes Kino („opera koor!“) .
In den vorgeschlagenen Videos wurde das Rituals-Album von Rotting Christ aufgelistet. Nun war mir der Name seit Jahren geläufig und ich wusste, dass es sich um Griechen handelte, allerdings kannte ich nicht einen Song. Das Cover sah recht vielversprechend aus und ich dachte mir, dass ich einfach mal was für meine metallische Allgemeinbildung tun könnte. Ehrlich gesagt erwartete ich nicht besonders viel („wenn die geil wären, hätte ich da bestimmt schon mal was von gehört“, Arroganz ist schon was Feines…).

But boy, was I wrong!

Rotting Christ im Kronensaal, Hamburg, 28.01.2018
Rotting Christ im Kronensaal, Hamburg, 28.01.2018

Diese Euphorie, eine neue großartige Band gefunden zu haben, hatte ich das letzte Mal ca. 2009. Damals kam ich über last.fm gleich zu zwei Kapellen, die bis heute zu meinen All-Time-Favorites gehören: Die Schweden Grand Magus mit ihrem epischen „Iron Will“ und die Niederländer The Devil’s Blood um das Geschwisterpaar Selim und Farida Lemouchi.
Es gab zwar immer wieder gute Bands, die ihren Weg in meine etwas unsortierte Sammlung fanden, wie z.B. Savage Master, Salem’s Pot oder Ahab, aber es passiert nur sehr selten, dass es mich so erwischt.

  • Illustrationen

    Die ersten Versuche mit dem neuen Grafik-Tablett. Ich muss unbedingt noch die Namen der Fotografen raussuchen, die die Originalbilder gemacht haben.

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  • Septicflesh, Inquisition, Odius

    Das war eine recht spontane Geschichte, kannte ich doch weder Inquisition noch Odius. Septicflesh hatte ich mir vorher in Auszügen angehört und für gut befunden. Ein wenig verwundert war ich darüber, dass die Veranstaltung im Marx und nicht in der Halle stattfand. Ich hätte gedacht, die Bands würden mehr ziehen, aber nun gut.

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  • Lucifer’s Child

    Jetzt kommt doch tatsächlich mal eine neue Band. Leider haben die auch bisher nur ein Album veröffentlicht, „The Wiccan“ (2015). Wenn es nach mir geht, können da gerne noch welche folgen.

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  • Varathron

    Diese Truppe ist auch schon seit Ende der 80er dabei, einziges verbleibendes Originalmitglied ist Stefan Necroabyssious. Das ist eine von den Bands, die ich sehr gut albenweise hören kann. Zwar funktionieren die Songs auch einzeln, aber sie wirken erst im Verbund so richtig.

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  • Thou Art Lord

    Ein Side-Projekt, das seit 1993 besteht und maßgeblich von Sakis Tolis (Rotting Christ) und The Magus (Necromantia) vorangetrieben wird. Bisher haben die Beiden mit wechselnden Mitstreitern 5 komplette Alben eingespielt.

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  • Rotting Christ, Hamburg Kronensaal

    Da fing das Konzertjahr mal mit einem deutlichen Krachen an. Ich glaube, es wird sehr schwierig, das zu toppen (es sei denn, Rotting Christ spielen nochmal in Reichweite). Trotz des nervigen Feueralarms mitten im Set war das ein beeindruckendes Brett.

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Die Frühphase

Innerhalb kürzester Zeit habe ich mich dann durch das bisherige Werk gearbeitet, was sich als einigermaßen herausfordernd darstellte. In den 30 Jahren seit der Gründung ist die Bandbreite extrem groß, und nicht alles überzeugt mich gleichermaßen. Auch wüsste ich nicht, welchen Oberbegriff ich wählen sollte. Die Anfänge sind im Black/Death-Metal-Bereich angesiedelt und bilden bis heute die Basis für das Selbstverständnis von Sakis & Co (Hellenic Black Metal Legions). Irgendwo habe ich gelesen, dass sie zu Beginn wie Kreator klingen wollten, was ihnen erfreulicherweise überhaupt nicht gelungen ist (Kreator sind in meiner persönlichen Wertung irgendwo im „Meh“-Bereich angesiedelt). Technisch eher als Rohdiamanten zu bezeichnen, um es mal freundlich zu formulieren, beinhalten die ersten beiden Alben „Thy Mighty Contract“ und „Non Serviam“ dennoch solche Klassiker wie „The Sign of evil Existence“, „Fgmenth, thy Gift“ und natürlich „Non Serviam“. Die Songs sind zwar roh, aber gut, die Essenz stimmt.

Zuviel Patchouli

Ende der 90er vollzogen sie dann allerdings mit „Triarchy of the Lost Lovers“ einen Wandel in Richtung Gothic mit starkem Keyboardeinsatz. Ich bin nicht sicher, inwieweit das mit ihrem Wechsel zu Century Media zusammenhing. Mir waren diese Gothic-Depri-Schwarzer-Pannesamt-Sachen damals schon suspekt und das hat sich bis heute nicht geändert.  „King of a Stellar War“, „Semigod“, „After Dark I feel“ und „In Domine Sathana“ kann man sich gut anhören, aber insgesamt betrachtet war diese Phase meiner Meinung nach eher schwach.
„Sanctus Diavolos“ von 2004 ging dann schon wieder in die richtige Richtung (der Keyboarder war nicht mehr dabei, scheint eine gute Entscheidung gewesen zu sein…). Mit „Athanati Este“ und „Serve in Heaven“ sind dort zwei meiner Lieblingssongs vertreten.

300 in Musikform

Aber so richtig interessant wurde es mit dem Wechsel zum französischen Label Season of Mist. „Theogonia“, das 2007 erschien, ist meiner Ansicht nach geradezu ein Quantensprung. Hier gilt für mich das erste Mal „all killer – no filler“. Die Qualität der Songs und der Produktion ist auf einer Linie.
„Aealo“ (ΕΑΛΩ) fand ich zunächst etwas schwächer als Theogonia, aber das liegt einfach daran, dass es als Gesamtwerk schwerer zugänglich ist. Songs wie „Nekron lahes“, welches nur aus einem weiblichen Klagegesang besteht, ist recht schwere Kost, genauso wie das von Diamanda Galás beigesteuerte letzte Lied „Orders from the Dead“. Die Dame ist mir dann doch einen Tacken zu schräg.
Davon abgesehen bietet Aealo aber mit „Daimonon vrosis“,  „Dub-Saĝ-Ta-Ke“, „…Pir Threontai“, „Thou art Lord“ und „Noctis Era“ extrem abwechslungsreiche und gleichzeitig eingängige Songs.
„Κατά τον δαίμονα εαυτού“ (2013), welches man grob als „Bleib Dir selbst treu“ übersetzen könnte („be true to your own spirit“ laut Sakis), legt nochmal eine Schippe drauf. Es gibt keinen einzigen englischsprachigen Song, was das Ganze aber nur umso interessanter macht. Ich bin von jeher kein Textfanatiker gewesen, weil die Emotionen für mich ohnehin über die Musik transportiert werden. Unverständliche Lyrics sind daher kein Problem, sie machen das Adaptieren der Songs für die eigene Gefühlswelt eigentlich eher einfacher. Nicht umsonst tue ich mich mit deutschen Texten extrem schwer, weil sie oft ablenken.
Das Album ist noch eine Spur epischer als Theogonia und Aealo, die Produktion wuchtiger. Klarer Favorit hier ist für mich das eigentlich eher untypische „χξϛʹ“ (666).

Rituals

Und ich bleibe dabei: Rituals (2016) ist das bisher beste Werk. Es packt einen von Anfang bis Ende wie eine zusammenhängende Geschichte und trotzdem funktioniert jeder Song auch allein.
Der erste Song „In Nomine Dei nostri“ beginnt mit Sprechchören, die mich beim ersten Hören völlig aus dem Konzept brachten, weil ich irgendwie etwas ganz anderes erwartet hatte, und ab dem stakkato-artigen Riff war die Sache gelaufen. Ich saß sprachlos vorm Rechner und dachte noch, dass das vermutlich nur ein Zufall war und es beim nächsten Song bestimmt nicht so weiter gehen würde.
Und wieder falsch, es wurde einfach nicht schlechter. Ze Nigmar plättet einen mit diesem hypnotischen Sog, der sich durch das ganze Album zieht, aber in diesem Song am deutlichsten hervorsticht.
Der letzte Song „The four Horseman“ stammt vom Album „666“ der griechischen Band „Aphrodite’s Child“. Während dem Original von 1972 eine gewisse hippieske Spiritualität und auch Leichtigkeit innewohnt, verbreitet die Rotting Christ-Version mit jedem Ton Endzeitstimmung. So ziemlich mit der letzten Note hatte ich das Album dann auch schon geordert.