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Rage Against Racism in Duisburg

Ein Dank an christliche Hardliner!

Nachdem die Tolis-Brüder für 12 Stunden in Georgien eingebuchtet worden waren und diese News natürlich für ordentlich unfreiwillige Publicity gesorgt hatte, fand ich zufällig in einem der zahlreichen News-Artikel dazu auch eine Auflistung von Gigs, die weder auf deren Website noch bei Facebook aufgeführt wurden. Ich mutmaße einfach mal, dass dies insbesondere den Zweck hatte, etwaigen religiösen Hardlinern möglichst wenig Zeit zur Vorbereitung irgendwelcher Protestaktionen zu geben. Hat zumindest in diesem Fall allerdings nur mäßig funktioniert.

Auf jeden Fall wurde hier auch das Rage Against Racism angezeigt, ein kleines, kostenloses Festival in Duisburg, welches Anfang Juni stattfinden sollte. Mehr aus einer Bierlaune heraus hab ich meiner Freundin Alex davon erzählt, dass Rotting Christ dort spielen würden. Und da wir beide das Konzert in Hamburg als glattweg grandios in Erinnerung behalten hatten (trotz Unterbrechung), entschlossen wir uns – in einem für unsere Verhältnisse geradezu wahnwitzigen Anfall von Spontaneität – dort einzufallen.

Die Unterkunft (wir brauchen vermutlich nie wieder Lotto spielen)

Lediglich die Suche nach einem Schlafplatz erwies sich als schwierig. Camping war vor Ort nicht möglich und die Hostels befanden sich quasi im nächsten Bundesland. Alex hatte dann den rettenden Einfall, bei Couchsurfing zu schauen. Wir hatten Glück und fanden ein nettes Pärchen, das uns nicht nur gerne aufnahm, sondern Metal-affin war und auch zum RaR wollte. Es war beinahe schon zu perfekt.
Die Beiden entpuppten sich dann aber wirklich als absoluter Glücksfall. Wir wurden unfassbar nett aufgenommen und bestens versorgt.

Blick auf die Bühne

Kurz nach unserer Ankunft in Duisburg ging es dann zusammen mit unseren Gastgebern auch gleich weiter zum Gelände. Das RaR findet jedes Jahr bei einer alten Mühle statt, eine große Wiese, ein paar Bierpilze, Fresshütten und Merch-Stände, ausreichend Dixies und eine wirklich tiefenentspannte Atmosphäre ließen uns sofort zu Fans werden. Das Wetter spielte größtenteils auch mit, einen zaghaften Regenschauer warteten wir bei einem Bierstand ab (was die Stimmung noch weiter anhob).

Der Freitag

Die ersten beiden Bands waren leider nicht ganz nach unserem Geschmack, so dass wir die Zeit zur Erkundung des recht übersichtlichen Areals nutzten. Neben den üblichen Metallern gab es auch viele Familien, die mit Picknickdecke und Lärmschutz für die Kiddies angerückt waren.

Bei Burning Witches verschlug es uns das erste Mal vor die Bühne. Deren recht klassischer Heavy Metal war zwar nicht wirklich was für Alex, ich fand die Mädelsgruppe aber wirklich gut. Spätestens beim DIO-Cover „Holy Diver“ hatten sie mich natürlich. Sollte sich die Gelegenheit ergeben, werde ich mir die sicher nochmal anhören.

Danach gab es dann mit God Dethroned etwas für Alex. Aufgrund eines überraschend einsetzenden Moshpits fand ich mich plötzlich notgedrungen in der zweiten Reihe wieder. Da ich keinen einzigen Song kannte und nur aus Solidarität vorne stand, fühlte ich mich da zwar ein kleines bisschen deplatziert, aber gelohnt hat es sich auf jeden Fall.

Bei Xandria traten wir dann den geordneten Rückzug an, ich werde mit der Musik einfach nicht warm. Gegen Ende sammelten uns unsere Gastgeber wieder ein und gemeinsam ging es gut gelaunt heim – nicht ohne eine ordentliche Ladung Wedges vor dem Schlafengehen.

Der Samstag

Die Wedges verhinderten vermutlich Schlimmeres, ich wage mir den Kater gar nicht auszudenken, den ich sonst gehabt hätte. So halfen ein reichhaltiges Frühstück, eine Ibu und eine Dose Cola, wieder in die Gänge zu kommen. Zugegebenermaßen plätscherten die ersten Bands etwas an mir vorbei, ich musste erstmal wach werden.

Tyler Leads

Tyler Leads

Ich hatte mir die Bands vorher alle einmal angehört und bei diesen Jungs war mein Urteil recht schnell gefällt: Gutes Zeug (allerdings überhaupt nichts für Alex). Also begab ich mich allein vor die Bühne und wurde nicht enttäuscht. Für meinen noch leicht benebelten Geist war die äußerst agile Bühnenshow der Newcomer allerdings eine echte Herausforderung.

Die Bierkrise

Abwechselnd kümmerten Alex und ich uns um die Bierbeschaffung, doch schließlich wurden wir aus unserem Flow gerissen. Alex verschwand für mehr als eine halbe Stunde und kehrte schließlich leicht genervt zurück. Sie hatte eine wahre Odyssee hinter sich und war von einem Bierpilz zum nächsten gepilgert, nur um dann wieder zurückgeschickt zu werden (wir sprechen hier von sicherlich gut 100m Entfernung, die es dabei zu überbrücken galt!).  Scheinbar hatte ein Bierpilz Probleme mit der korrekten Fassinstallation, bei einer Horde durstiger Metaller natürlich fatal! Da es sich aber bei sämtlichem Personal (mit Ausnahme der Security) um ehrenamtliche Helfer handelte, die ihre Freizeit hier opferten und sowohl gut gelaunt als auch nett für unser leibliches Wohl sorgten, hielt sich das Gemecker logischerweise in sehr engen Grenzen. Wir können sagen: Wir waren dabei und haben es überlebt!

Die folgenden Bands schauten wir uns wieder von der Wiese aus an, weder Kambrium noch Storm Seeker konnten uns da wegbewegen. Zu Darkness zug es uns dann wieder vor die Bühne. Die darauffolgenden Pyogenesis waren nicht wirklich meins und gedanklich befand ich mich bereits im Rotting-Christ-Modus. Insbesondere nachdem ich Themis erspäht hatte, der in aller Seelenruhe und völlig unbelästigt über die Wiese spazierte. Aus reiner Rücksichtnahme (und nicht etwa, weil ich socially awkward wäre…) ließ ich ihn in Ruhe.

Rotting Christ

Leider hat es nicht ganz für die erste Reihe gereicht, aber irgendwie fehlt mir da auch der Ehrgeiz, mich bereits Stunden vorher zu positionieren. Sicht und Sound waren trotzdem gut. Und die Show – naja, es dürfte sich mittlerweile herauskristallisiert haben, dass ich in Bezug auf die Griechen ein klein wenig exzentrisch bin. Und mit „Ze Nigmar“, „Societas Satanas“ und „Non Serviam“ kann man einfach auch nichts falsch machen. Nächstes Jahr gibt’s ein neues Album und hoffentlich auch eine ausgedehnte Tour.

Alles in allem hat sich unser spontaner Ausflug nach Duisburg mehr als gelohnt, für nächstes Jahr haben wir uns bereits bei unseren freundlichen Gastgebern angemeldet. Hut ab vor dem, was die Leute jedes Jahr beim Rage Against Racism auf die Beine stellen. Ein extrem entspanntes und wirklich gutes Festival mit netten Leuten, viel Platz und guter Versorgung. Wir kommen nächstes Jahr wohl wieder.

Dank an Alex für die zusätzlichen Fotos.